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Stellungnahme zum Fernsehbeitrag in «Temps Présent» vom 30.01.2025

Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen.

Am 30.01.2025 wurde von RTS 1 in der Sendung «Temps Présent» die Dokumentation «Harcèlement à l’hôpital, silence sous la blouse» ausgestrahlt:

https://www.rts.ch/emissions/temps-present/emission/whatson:5938870690812.html

Als Verein, der sich für die Anliegen von Chirurginnen in der Schweiz einsetzt, möchten wir dazu Stellung nehmen. 

Die Sendung, welche von sexuellen Übergriffen in der Chirurgie berichtet, ließ niemanden unberührt. Einige erkannten ihre eigene Geschichte, andere verspürten Wut darüber, dass so etwas möglich ist. Sexuelle Belästigung ist ein Angriff auf die Menschenwürde, ein Missachten der Integrität des Gegenübers. Wir wissen, dass ungleiche Machtverhältnisse das Risiko eines Übergriffs erhöhen und die Chirurgie ist besonders anfällig für Abhängigkeitsverhältnisse im Rahmen der Ausbildung. Eine Umfrage in Großbritannien unter Chirurg:innen ergab, dass über 60% der Frauen während ihrer Ausbildung sexuellen Belästigungen ausgesetzt waren – gegenüber 23% der männlichen Kollegen (doi:10.1093/bjs/znad242).

Betroffene, die sich wehren, laufen Gefahr, ein zweites Mal Opfer zu werden, sei dies durch fehlende Unterstützung, Umkehr der Schuldzuweisung und/oder durch Täterschutz. 

Es ist an der Zeit, dass wir diese Problematik offen ansprechen, den Opfern Hilfe anbieten und es für die Verursacher Konsequenzen hat. Es braucht Schulungen für Vorgesetzte und Personen in Schlüsselpositionen, in denen diese sensibilisiert werden und lernen, wie man richtig reagiert. Es braucht unabhängige Anlaufstellen, an die sich Betroffene wenden können und die sich für sie einsetzen. Es braucht gezielte Weiterbildung der Teams, damit Grenzüberschreitungen als solche erkannt und nicht länger stillschweigend toleriert werden. Zuschauen verpflichtet zum Handeln und entbindet vom Schweigen. 

Wie die Royal College of Surgeons of England verpflichten auch wir uns der Null-Toleranz-Politik gegenüber sexuellem Fehlverhalten und möchten daran arbeiten, dieses Verhalten in der Chirurgie und im Gesundheitswesen auszumerzen. 

Women in Surgery Switzerland will sich für die Schaffung unabhängiger Anlaufstellen einsetzen und die Sensibilisierung – wie in Lausanne und Genf – vorantreiben, z.B. mit Workshops, Code of Conducts und Forschung.

Wir schließen uns dem Statement der SGC an: Chirurgie ist ein wunderbarer Beruf und wir müssen dafür sorgen, dass alle in einem sicheren, respektvollen Umfeld ihre Ausbildung absolvieren können,  ohne Opfer von Machtmissbrauch zu werden. 

Im Namen des Vorstands,

Dr. med. Jeannette Widmer, Präsidentin                                  
Dr. med. univ. Hemma Mayr, Vize-Präsidentin

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